Peter Paszkiewicz      Steinbildhauer, Präsident des Vereins österreichischer Steinbildhauer

(...) Was mich immer noch beschäftigt ist, dass die Form die Du mit den Fäden erzeugst, keinen Rand hat. Man kann nicht feststellen wo sie aufhört und wo der Umraum beginnt, dennoch ist sie exakt bestimmt.

Dieser besondere Zustand von Morphologie, der Anlass zu Nachdenklichkeit ist.

Plötzlich entsteht ein anderes Verständnis einer Elektronenwolke, es fällt einem plötzlich eine andere Form von Zugang in den Schoß.

Ich denke dabei an Fotos, an unterschiedliche Zustände, Erscheinungsformen von Elektronenwolken.

Es ist nicht so, dass da Teile um den Atomkern flitzen, es sieht vielmehr wie ein sichtbares elektrisches/magnetisches Feld, wie ein partieller Schneesturm aus.

Aber das ist lediglich ein Vergleich.

Die Elektronenwolke ist dynamisch.

Das Fadengespinst ist zum einen statisch, zum anderen ist es so transparent, dass es nicht festzumachen ist. Es ist gleichzeitig beiden Seiten zugehörig, einem statischen und gleichermaßen dynamischen Zustand.

Es könnte auch Anlass eines physikalischen Forschungsprojektes sein, bzw. eines das sich mit Wahrnehmung beschäftigt.

Da wird deutlich, dass ein Übergehen der Form die da erarbeitet ist, in ihre Umgebung besteht.

Wir haben damit ein Phänomen das uns einen Hinweis auf die Relativität von Körpern gibt, auch wie diese im Raum verankert zu sein scheinen.

Wobei der Begriff Körper hier auf einen Zustand hinweist.

Er unterscheidet sich nur in seiner Dichte vom Umraum.

Das Projekt in seiner Beispielhaftigkeit ist von Interesse für Morphologen, die nicht über das Kunstverständnis an das Phänomen herangehen, was ein Hinweis auf Vielfältigkeit ist die ausufert.

Es ist das ein Zustand der gleichzeitig Form und Raum ist.

Dies als ein Übergang der in seiner Plausibilität außergewöhnlich ist, den wir sonst annähernd nur an Glaskörpern wahrnehmen.

Die Konstruktion an sich ist völlig klar, was sie aber in uns erzeugt ist etwas anderes, ein neues Bild wie sich Raum und Form verhält, dass beides nicht nur gleichzeitig der Fall ist, sondern dass dies offenbar eine Gesetzmäßigkeit darstellt. Nehmen wir doch gewöhnlich einen festen Körper wahr und seinen Umraum, der dreidimensional ihn umgibt, auf ihn trifft und fugenlos ihn umschließt.

Dass diese Vorstellung unser Denken prägt, tatsächlich aber so nicht ist.

Eine Form im Raum und dieser ist dasselbe.

Im skulpturalen Tun ist das plausibel, im gesellschaftlichen Denken und Wahrnehmen keineswegs.

Im physikalischen und skulpturalen Sinn kommt ja der Form eine größere Dichte zu als dem Raum um sie. Der Unterschied ist ein offensichtlicher aber kein grundsätzlicher. Dein Projekt im Dom macht das deutlich indem es den Unterschied aufhebt und den gleichen Zustand von Form und Raum herstellt. Das ist geradezu ein Lehrbeispiel skulpturaler Bedingung.

Dass die Besucher, besonders in einer Kirche das Erleben spirituell vernetzen ist zwar ein Verlust an Begreifen, wenn auch nicht an Erleben, sollte aber nicht dazu führen, dass die tatsächlichen Wunder unentdeckt bleiben.

Unser lineares Denken ist das wirkliche Hemmnis, es schließt die Gleichzeitigkeit aus. Wir haben damit lediglich einen Begriff der sich nicht erfüllt.

Das Projekt kommt ohne Erklärung aus, dies ist erfrischend, schränkt es doch beim Betrachter das eigene Erleben nicht ein.

Der Abstand, der Raum zwischen den Fäden und diese sind gleichbedeutend. Wir können also nicht sagen ob die Form mit dem Faden oder dem Zwischenraum endet, bzw. der Umraum dort beginnt. Diese Ungewissheit in einem Kirchenraum rückt einiges zurecht in Richtung Wirklichkeit.

Deine Arbeit im Dom (...) hat mich beschäftigt, auch hinsichtlich Skulptur aus fester Materie, weil sie eine sehr andere Sicht klar macht, weil Form und Raum ineinander gehen und offensichtlich ein durchgehendes Ganzes bilden.

Das ist eine Synthese.

>>  aus dem Brief von Peter Paszkiewicz an Elke Maier, 25. März 2014


(...) Deine Raumintervention im Dom ist gleichermaßen Raum und Form.

Eine Skulptur könnte gleichzeitig schwere Materie (Stein etwa) und schwerelos sein, eben das kreative Moment das nicht physisch ist und deshalb kein Gewicht hat. Also gleichzeitig schwer und schwerelos. Raum und Form ist in diesem Fall nicht trennbar und Gewicht und Schwerelosigkeit ist es ebenso wenig, besteht sie doch gleichzeitig in einem Ding. Man könnte beide Positionen so kombinieren, dass sie eine Multiplikation bilden. Eine hohe Sinn-Summe würde sich daraus ergeben, das ist anzunehmen.  (...)

Schwarzen Granit so zu polieren, dass er das Licht reflektiert, führt dazu, dass eine Skulptur nicht mehr als Formgebilde, sondern nur noch als irritierender Reflex wahrnehmbar ist.

Sie löst sich im Licht auf. Brancusi versuchte das. Man kann das als konstruktives Moment sehen.

Die Form so präzise wie nur möglich zu arbeiten, was ja im Polieren endet, und damit sie der Wahrnehmung entziehen, und beides basiert auf ein und derselben Sache.

Die Tatsache der präzisen Skulptur und die Unmöglichkeit des Erkennens, wegen der Lichtreflexe, geschieht als Wechselwirkung.

Die spiegelnde Oberfläche spiegelt das Gegenüber, interpretiert es insofern.

Das polierte Objekt ist so nicht nur es selbst, sondern auch seine Umgebung, und das in einem Ding.

Es ist das eine andere Geschichte, erinnert aber markant an die Skulptur aus Fäden, die vor allem Raum ist.

Beides steht analog zueinander.

Und nicht sicher ist ob es dieses mehr ist, oder jenes. Es ist vermutlich beides und dies untrennbar.

So erleben und denken wir es.

Wissenschaftlich ist es entweder dieses oder jenes, entsprechend des jeweiligen wissenschaftlichen Spektrums.

Nur in der Kunst kann es sowohl dies als auch jenes sein, gleichzeitig und wechselwirkend.

Eben deshalb brauchen wir Kunst, Ratio kann das nicht.

Nachsatz:

Von Belang ist das Milieu in dem etwas stattfindet.

Ein Milieu ist meist geprägt und so ist das Erleben zum Teil "vorbestimmt", das ist in diesem Zusammenhang nicht unbedeutend.

Das Erleben der Intervention im Dom war beeindruckend und bewirkt, dass ich denke was ohne diesem Anstoß so nicht denkbar gewesen wäre. Dafür vielen Dank.

>> aus dem Brief von Peter Paszkiewicz an Elke Maier, 20. April 2014


(...) Deine Arbeit im Dom ist ein neuer Messpunkt, der das Verhältnis von Materie und Raum in der skulpturalen Auseinandersetzung berührt.  Diese verläuft anders als zuvor.

Übrigens = Würde man Masse und Raum addieren, ergäbe das aller Wahrscheinlichkeit 0.

Denkt man das nun zurück, wird plausibel, dass Universen aus dem Nichts entstehen.

Man arbeitet nicht nur an der Materie, sondern gleichermaßen am Raum, es ist ein und dasselbe.

Deine Arbeit im Dom ist Anlass, es so zu sehen.(...)

>>  aus dem Brief von Peter Paszkiewicz an Elke Maier, 22. Januar 2015:


Deine Arbeit im Dom geht mir immer noch im Kopf herum. Wenn man die Fadenstärke mit den Zwischenräumen verrechnet, könnte man meinen, dass der Schleier ist und auch nicht ist, das aber scheint Schleiern eigen zu sein.

Beim Atommodell inklusive der Elektronen ist es auch so, dass die Masse des Kerns weitaus kleiner ist als die Abstände zu den Elektronen, aber auch die Abstände der Atome zueinander, das auch bei festen Körpern, so dass ein fester Körper vor allem aus Zwischenräumen besteht.

Da besteht eine Analogie zu Deinem Projekt.

Bei Deinem Projekt kam dem Raum die Dominanz zu, nicht der Masse, obwohl das keinen, oder nur einen kleinen Unterschied macht.

Man kann die Masse beinahe verschwinden lassen.  Sie wandelt sich zu Raum bzw. definiert ihn.(...)

Deine Arbeit im Dom war materiell nur einen Hauch, fast nicht vorhanden für die Wahrnehmung.(...)

Man macht die physischen Dinge nur, weil man über das Tun begreift. Sie lediglich zu denken, gelingt nicht.

Sie rational zu denken, ist nicht möglich.  Es geht um intuitive Intelligenz und um die Intelligenz des Tuns.(...)

>> aus dem Brief von Peter Paszkiewicz an Elke Maier, 27. Mai 2015


Letter from Peter Paszkiewicz to Elke Maier, 25 March 2014

(...) What still preoccupies me / What I still can't get out of my head / What still is on my mind, is that the form (shape) which you create with the threads, has no borders.

One cannot exactly define, where it ends, and where the surrounding space begins. Yet the form is precisely determined. This specific state of morphology is cause for reflection / reflectiveness.

Suddenly a different understanding of an electron cloud emerges, suddenly one conceives of another form of access / a different way of access falls into one's lap / a different way of access comes into one's mind.

I am thinking of photos, of various differing states, manifestations of electron clouds.

It is not that there are particles whizzing around the atomic nucleus, but rather it looks like a visible electric magnetic field, like a partial snowstorm. This is merely a comparison.

The electron cloud is dynamic. The weave of spun yarns is static on the one hand, on the other so transparent that it cannot be pinpointed.

It belongs to / It is related to both sides at the same time, a static state and equally a dynamic state.

It could also initiate a physics research project or give a new impetus to such a project studying perception.  It becomes evident that there is a transition of the created form into its spatial context.

Therefore we have a phenomenon that directs us towards / that indicates / that hints us at the relativity of bodies and how they seem to be anchored / rooted in space. Whereby here the term "body" refers to a state / points to a temporary condition. Only its physical density distinguishes it from that of its contextual space / The body differs only in its physical density from its surroundings.

The project in its exemplariness (as paradigm) is of interest to morphologists who do not approach the phenomenon via appreciation of art / artistic sense, and this is a sign / an indicator of an overflowing diversity. It is a state which is both, form / solid body and space, at the same time.

As a transition which is extraordinary in its plausibility, and which we usually perceive approximately at / in glass bodies / solids.

The construction as such is perfectly clear, yet what it engenders within us, is something beyond, a new image of how space is to form and form is to space / how space and form interact, that both are not just simultaneously happening, but also that it is obviously in accordance with a regularity / that it represents obviously a regularity.

Usually we perceive a solid body. And its contextual space, which surrounds it in three dimensions, finds and meets it, and encloses / includes / encompasses it seamlessly. This idea influences / characterizes our thinking, but in fact this is not the case.

A form (shape) in space, and space itself, are one and the same.

In sculpting this is plausible; in social-societal thinking and perceiving, by no means. In a physical and sculptural sense, form has a higher density than the space around it. / to the form is attributed a higher density than to the space around it.

The difference, however, may be an obvious one, but not a fundamental one.

Your project in the cathedral makes this clear by dissolving / canceling / neutralizing the difference and establishing a same state of form and space.

This is an almost exemplary case / an example par excellence of sculptural conditions.

That visitors will, especially in a church, network / cross-link their personal experiences (with a spiritual interface / spiritually), may be a loss of comprehension, but not of (individual) experiencing.

Nevertheless, the real wonders should not remain undiscovered.

Our linear thinking is the actual obstruction. It excludes simultaneity. Therefore we just own a term that does not actually fulfill / realize itself.

The project is self-sufficient and does not require any explanations. This is refreshing, for it does not limit the viewer`s own experience.

The distance that is the space between the threads, and the threads, are equals in importance / equivalent.

Therefore, we cannot say / we do not know / we are not sure whether the form ends with thread or space in between, nor where context space begins.

Such uncertainty in the interior of a church puts somethings straight / sets some things straight / corrects a lot towards reality.

Your work in the cathedral has occupied me / made me think, also concerning sculpture of solid material, because it clears a very different way of seeing, where form / shape and space merge into each other and obviously shape / form a continuous entirety. 

This is a synthesis.


Letter from Peter Paszkiewicz to Elke Maier, 20 April 2014:

(...) your space intervention in the cathedral is equally space and form.

A sculpture could, at the same time, be heavy matter (stone, for example) and weightless, namely the creative moment that is not physical and therefore has no weight.

So at the same time both, heavy and weightless. Space and form here is inseparable as are weight and weightlessness, existing simultaneously in one thing.

One could combine both positions so that they become a multiplication.

A high sum of meaning would result from this, one may assume / infer.  (...)

To polish black granite in a way to have it reflect the light leads to a perception of the sculpture not as form, but only as an irritating reflex. It dissolves in the light. Brancusi tried it.                                                                    One can see this as a constructive moment.

To work the form as precisely as possible - which ends in polishing - and thus withdraw it from perception, and both is based on one and the same thing.

The fact of a precise sculpture and an impossibility of recognition, due to the light reflections, happen in interaction.

The reflecting surface reflects the opposite, thus interprets it. So the polished object is not just itself, but also its surroundings, and in one thing. It is another story, that; yet reminds pronouncedly of the sculpture of threads, which is, most of all, space. Each relates to the other in an analogous way. And it is not sure / certain to say whether it is more this, or that. It is probably both, and inseparably so.

This is how we experience it and think of it.                                                                                             Scientifically it is either this or that, depending on the scientific spectrum.

Only in art can it be both one and the other, simultaneously and interactively.

This is why we need art, ratio cannot do this (for us).

Postscript:

Relevant is the milieu in which something occurs. A milieu is usually foregone and therefore experience is partly "predetermined" ; in this context this is relevant / not unimportant / not neglect-able / meaningful.

The experience of your intervention in the cathedral was impressive and brings about / achieves that I think what would not have been thinkable in such a way without this impulse. Thank you very much for that.


Letter from Peter Paszkiewicz to Elke Maier, 22 January 2015:

Your artwork in the cathedral set a new standard in the sculptural debate / controversy about the relationship between matter / material and space. It takes a different course than before.

By the way: If we would sum up mass / matter to space, its results in / would probably be Zero = 0

So, if we think this backwards, it becomes plausible, that universes originate out of nothingness.

One does not exclusively work with material, but in equal amount with space. They are one and the same.

Your artwork in the cathedral is an inducement to see it in such a way / to consider it from that perspective.


Letter from Peter Paszkiewicz to Elke Maier, 27 May 2015:

Your artwork in the Saint Stephens cathedral is still going around in my mind / provoking a lot of thoughts / continuing to command my attention.

If we set the diameter of the threads off against the spaces between them / If we think about how the diameter of the threads relates to the spaces between them, the veil could be perceived as being present or not present, but that seems to be typical of veils.

This can be compared to the atom model inclusive electrons, whereby the nuclear mass is far smaller than the distances to the electrons, but also the distances of the atoms to each other.

This also applies to solids materials, which are composed primarily of intermediate spaces.

An analogy can be drawn between this theory and your project.

The dominant presence within your project was assigned to the space, not to the physical mass / matter, although that doesn't make a significant difference, or only an inappreciable / a tiny little difference.

One can almost neglect the physical mass / matter. It changes into space, or rather it defines the space.

The substance of your artwork in the cathedral was merely a touch / mist, almost unnoticeable / virtually absent for the perception.

We only create the physical things, because we (only) understand (them) by doing.

Whereas just thinking (about) them, is not successful. Thinking (about) them rationally, is not possible.

It is a question of intuitive intelligence and the intelligence of activity.