Johannes Rauchenberger 

aus der Ankündigung von Elke Maiers Ausstellung Geflügelte Bäume im Kulturzentrum bei den Minoriten Graz im Jahre 2000


Elke Maier ist eine Künstlerin, die sich selbst und der Natur, die sie bearbeitet, äußerste Konzentration und Langsamkeit abverlangt. Sie arbeitet fast immer im freien, setzt sich der Natur aus, reaktiviert künstlerisch den Ort. Sie misst der Energie und dem Raum, die ihn umgeben ebenso viel Bedeutung bei wie der Energie und dem Raum, die das Material physisch umschließen. Ihre Arbeiten sind zwar äußerst filigran, doch gerade aufgrund ihres durchlässigen Aufbaus und ihrer Elastizität unangreifbar von Wind und Wetter.

Als "Landart"-Künstlerin arbeitet sie "ästhetisch" mit Landschaften. Subtil und gezielt setzt sie ihre Eingriffe. etwa indem sie Bäume verwebt oder Eierschalen auf Felsen klebt...Dabei kann sie eine ästhetische Transformation des gesamten topografischen Kontextes bewirken.

Auch wenn die Vögel am Ende die Eierschalen einverleibt haben, bleibt die "Performance", das tun der Künstlerin von einer immensen Gegenwartskonzentration.

Im Zuge natürlicher Zerfallsprozesse gehen alle Materialien, die sie verwendet wieder in Natur über: im Material selbst ist die Metamorphose als zeitlicher Prozess immanent. So sind zwar die Gebilde an sich vergänglich, die mit ihnen verbundenen Erinnerungen können jedoch unverzüglich als "innere Bilder" bewahrt bleiben.

Elke Maiers künstlerischer Ansatz hat mich in der Konsequenz des von ihr eingeschlagenen Weges sehr beeindruckt. Ihre Entscheidung, in der Natur und mit der Natur zu arbeiten, führt zu Konzentrationsprozessen, die im künstlerischen Produkt überzeugend zum Ausdruck kommen.

Insofern ist ihre künstlerische Artikulation eine gelungene "Gegenwelt" zu einem Lebensgefühl absoluter Beschleunigung, ohne jeden Hauch von Affirmation.

Johannes Rauchenberger, Leiter des Kulturzentrums bei den Minoriten Graz 2000