Verwobene Bäume

Elke Maier: Verwobener Baum, 2001, art in natureWachtberg, Gars am Kamp.

Material: 40.000 m feinste weiße Nähseide 

  Elke Maier: Verwobener Baum, 2001, art in nature, Wachtberg, Gars am Kamp.   

Material: 40.000 m feinste weiße Nähseide

  Elke Maier: Verwobener Baum, 1998, ferro arte, Reinsberg.   

Material: 20.000 m feinste weiße Nähseide

Elke Maier: Strahl, 2016, AteliergARTen Millstatt am See.

Material: 4.000 m feinste weiße Nähseide

Elke Maier: Strahl, 2016, AteliergARTen Millstatt am See  

Material: 4.000 m feinste weiße Nähseide

  Elke Maier: Verwobener Baum, 1998, Spittal an der Drau. 

Material: 60.000 m feinste weiße Nähseide

Elke Maier: Verwobener Baum, 2004, AteliergARTen Millstatt am See. 

 Material: 40.000 m feinste weiße Nähseide

"Ich denke Form nicht als Grenze, sondern als Prozess, als der Niederschlag von Spuren einer Bewegung in Raum und Material.

Gestalt und Raum bilden keine entgegengesetzte Polarität, sondern ein Kontinuum beide gleichermaßen durchwirkender Bewegungen, die sich im Übergang von einem zum anderen vollziehen und sich als Verwandlung vollziehen müssen.

Die Gestalt und all das, was diese durchwirkt (das Licht, der Wind, Regen, Insekten etc.) sind integraler Bestandteil des Kunstwerkes wie dieses ein Moment innerhalb universeller Bewegungen des Lebens, in deren Bewegungsfluss es sich selbst bewegt.“

Von Elke Maier gesprochener Text in dem Film „Lebensdenkmal 2001“ von Widmar Andrascheck



"I conceive design not as an ultimate boundary but as a process, as the visible manifestation / reflection of traces of movement , transgressing space and  material.

The form still indicates the progressive process of its development / the processual progression of its origination process (morphogenesis).

Art intervention and space are not two contradictory poles / are not in contrast / do not form a contradictory polarity but rather a continuum of two equally interwoven movements of light, which interpenetrate each of them and which occur in a transition from the one to the other and which have to perform a continuous metamorphosis.


ELKE MAIER

"Ich realisiere meine LandArt Projekte mit integralen Bestandteilen der Landschaft, der Natur, die untrennbar mit ihrem Entstehungsort verbunden sind.

Ich bearbeite sie in der Einheit des Ortes: in dessen Wirkungen wie auf Einwirkungen antwortend.

Im Unterschied zu statischen Konstruktionen werden meine Kunstwerke nicht im Atelier hergestellt und dann bereits 'fertig' in der Landschaft installiert, ihrem Bestimmungsort nicht nachträglich, also akzidentell hinzugefügt, sondern von Anfang an in kontinuierlichem Dialog mit dem gewachsenen Kontext entwickelt:

Ein Geschehen dessen Beeinflussung durch die Natur wie dessen Einfluss auf die Natur reflektieren einander in den ästhetischen Strukturen selbst.

Die Authentizität des Ortes in all seiner Vielfalt und Komplexität ist für die Entstehung meiner Werke von wesentlicher Bedeutung.

Bereits im Arbeitsprozess sind die Bedingungen, die der Ort und das Material stellt, zu reflektieren.

Wind, Licht, die wandernde Bahn von Sonne und Mond im Jahresverlauf, Vegetationszyklen, Wachstumsintervalle, natürliche Rhythmen. ja selbst Tiere, Vögel, Insekten, aber auch Geräusche haben teil an der ästhetischen Aussage meiner Werke.

Da meine Land Art Projekte mit Natur als Material wie als Ort ihrer Wirkung umgehen, tragen sie als ein wesentliches ästhetisches Moment die Zeit, eine Vielgesichtigkeit im Laufe der Zeit.

Im Material selbst ist die Metamorphose als zeitlicher Prozess immanent.

In ständiger Korrespondenz mit dem ökologischen Zusammenhang, der sie berührt und beeinflusst, werden sie selbst wieder zu Natur."

Die LandArt Künstlerin Elke Maier

Elke Maier ist eine Künstlerin, die sich selbst und der Natur, die sie bearbeitet, äußerste Konzentration und Langsamkeit abverlangt. Sie arbeitet fast immer im freien, setzt sich der Natur aus, reaktiviert künstlerisch den Ort. Sie misst der Energie und dem Raum, die ihn umgeben eben so viel Bedeutung bei wie der Energie und dem Raum, die das Material physisch umschließen. Ihre Arbeiten sind zwar äußerst filigran, doch gerade aufgrund ihres durchlässigen Aufbaus und ihrer Elastizität unangreifbar von Wind und Wetter.

Als "landart"-Künstlerin arbeitet sie "ästhetisch" mit Landschaften.
Subtil und gezielt setzt sie ihre Eingriffe. etwa indem sie Bäume verwebt oder Eierschalen auf Felsen klebt.....Dabei kann sie eine ästhetische Transformation des gesamten topografischen Kontextes bewirken.

Auch wenn die Vögel am Ende die Eierschalen einverleibt haben, bleibt die "Performance", das Tun der Künstlerin von einer immensen Gegenwarts-Konzentration.

Im Zuge natürlicher Zerfallsprozesse gehen alle Materialien, die sie verwendet wieder in Natur über: im Material selbst ist die Metamorphose als zeitlicher Prozess immanent. So sind zwar die Gebilde an sich vergänglich, die mit ihnen verbundenen Erinnerungen können jedoch unverzüglich als "innere Bilder" bewahrt bleiben.

Elke Maiers künstlerischer Ansatz hat mich in der Konsequenz des von ihr eingeschlagenen Weges sehr beeindruckt. Ihre Entscheidung, in der Natur und mit der Natur zu arbeiten, führt zu Konzentrationsprozessen, die im künstlerischen Produkt überzeugend zum Ausdruck kommen. Insofern ist ihre künstlerische Artikulation eine gelungene "Gegenwelt" zu einem Lebensgefühl absoluter Beschleunigung, ohne jeden Hauch von Affirmation.

MMag. Dr. Johannes Rauchenberger, Graz 2000

Leiter des Kulturzentrums bei den Minoriten in Graz



Wolfgang Denk

EIN ZEN WEG ZUR KUNST

KUNST IST MAGIE, BEFREIT VON DER LÜGE, WAHRHEIT ZU SEIN!

Ein berühmtes Zitat, welches überraschenderweise gerade von einem so rationalen Philosophen wie Theodor W. Adorno stammt.
Unsere Wahrnehmungsgewohnheiten wurden in langen vielfach schmerzhaften Lernprozessen festgelegt. Von Geburt an sollen wir in einer ganz bestimmten Weise sehen, hören, Eindrücke auf eine kulturell be- stimmte Weise wahrnehmen und entsprechend reagieren. Wir sollen in bestimmten Ordnungen bleiben im Korsett etablierter Ordnungssysteme. Als Kind malte jede(r), jede(r) formt Figuren, Kinder geben Form.

Jede(r) war als Kind grenzenlos. Später wird gelernt, es werden Ordnungen übernommen und bestimmte Ordnungen festgesetzt und damit auch Maßeinheiten im weitesten Sinne um die Wirklichkeit einzuteilen.

Weniger leicht wahrnehmbar ist, dass das Denken und das Sehen auch geschult wurde, unser Wahrnehmungsfeld in ähnliche Maßeinheiten zu unterteilen. Die Schwierigkeit liegt darin, dass zum Beispiel Zentimeter Maßeinheiten sind, die zwar auf dem Maßband, nicht aber in der Natur in Erscheinung treten - die Abgrenzung der Dinge in der Natur entspricht aber den tatsächlich wahrgenommenen Erscheinungsformen. So hebt sich zum Beispiel scheinbar der menschliche Körper, deutlich von den anderen Dingen seiner Umgebung ab. Tatsächlich ist es jedoch so, dass die Haut des Körpers, die Oberfläche eines Körpers nur im Denken nicht aber in der Natur die Dinge wirklich abtrennt. In der Natur ist etwa die Körperhaut ein verbindendes Element eine Brücke sozusagen, die den inneren Organen die Zufuhr von Licht, Wärme und Luft vermittelt.

Solche Wahrnehmungen scheinen mir die Arbeit Elke Maiers bestimmen.
Elke Maier macht nun Kunst in der Natur oder sie lässt Natur in der Kunst die große Rolle spielen! Ihre Kunst ist nun Kunst im Einklang mit der Natur: "Einbezogenheit"! Sie bezieht sich selbst in die Natur ein und die unendlichen und großartigen Formen der Natur bezieht sie im Gegenzug in ihre Kunst ein.

Die einzigartige Vielfalt und damit die Lebendigkeit der Natur Europas zu erhalten wird zur Überlebensaufgabe. Dieser Aufgabe ist auch das inzwischen sehr renommierte "Kunst in der Natur" Symposion auf dem Wachtberg, hoch über dem niederösterreichischen Kamp-Tal, verschrieben.

Ebendort war Elke Maier eingeladen, eines ihrer hypersensiblen Kunstwerke, die Bearbeitung einer gewaltigen Baum-Skulptur zu erarbeiten.
Dazu schrieb mir die Künstlerin, als sie mich eingeladen hat, einige Worte zu ihrem neuen Katalogwerk ihrer LandArt-Projekte 1996-2012 beizutragen :

"Wir begegneten uns im Sommer 2001 am Wachtberg. Ich hatte dort einen, vom Blitz getroffenen, abgestorbenen Baum in feinstes weißes Garn verwoben . Erinnern Sie sich noch an unser persönliches Gespräch zwischen Baumkrone und Wurzel?"

Ich nahm bei meiner Rede zum Abschlussfest ihre Arbeit aus feinstem weißen Garn zum Anlass, Grundgedanken zur Kunst zu konstatieren.

Gerade bei konzentrierter Aufmerksamkeit - diese braucht man natürlich zur Sinn suchenden Kunstbetrachtung die ja von den Arbeiten Elke Maiers intensiv eingefordert wird - fällt es uns leichter, unterschiede zwischen dem Naturhaften und dem künstlerischen Eintrag festzustellen als Gemeinsamkeiten. Die normale visuelle Aufmerksamkeit nimmt die Dinge als Figuren gegen einen kontrastierenden Hintergrund wahr - und unser Denken verstärkt diese Tendenz und betont den unterschied zwischen Figur und Hintergrund. Skulpturale Werke und Installationen in den WhiteCube Räumen der modernen Galerien und Museen betonen diese Grenzziehungen konsequent. Kunst in der Natur, in wahrem Sinne, im Einklang mit der Natur so der

"Verwobene Baum" Elke Maiers, geht den umgekehrten Weg - Gestalt und Hintergrund bilden eine unauflösbare Beziehung - eine untrennbare Beziehung von Einheit und ungeheurer Vielschichtigkeit.

Der Umriss ihrer Arbeit, der figural komplexe Kontext einer solchen Arbeit als Innriss des Hintergrundes trennt das Gegensatzpaar voneinander ebenso wie er es verbindet.
Künstler(innen) wie Elke Maier, die sich auf die Natur einlassen, arbeiten daran, die Schwierigkeiten - unsere Schwierigkeiten mit der Untrennbarkeit von Gestalt und Hintergrund - zu überwinden, Energie, Dynamik und die Untrennbarkeit von Körper und Raum vorstellbar zu machen.

Über die Werke der Künstlerin möchte ich nichts wirklich Explizites aussagen was ohnehin zu sehen und erleb-bar ist, denn gute Kunst hat auch ein Anrecht darauf, dass ihr Geheimnis gewahrt wird.

Unbewusst erfüllt Elke Maier, die auf dem besten Wege zu sein scheint, eine Zen Meisterin auf dem Skulpturen-Weg zu werden, eine klassische Forderung des großen Jean Arp: "Der Inhalt einer Plastik muss auf Zehenspitzen, ohne Anmaßung auftreten, leicht wie die Spur des Tieres im Schnee".

Prof. Wolfgang Denk 2012

ehem. Direktor Kunsthalle Krems, Leiter Museumszentrum Mistelbach.


Sendung "UNTERWEGS ZU DUFT UND FARBEN" ,

am 15. August 2016 ORF 2 ab 17 Uhr 00 ( 28 Minuten).

mit Elke Maier und ihrem LandArt Projekt Strahl im KlostergARTen Millstatt.

Frau Helga Suppan, ORF Kärnten Kultur, führte das Interview mit Elke Maier.